Fachtag Kirche im Sozialen - Q8/Kirche – Quartiersarbeit mit Kirche - ein Erfolgsmodell


Q8/Kirche – Quartiersarbeit mit Kirche - ein Erfolgsmodell

 

Fünf Jahre Q8/Kirche in Winterhude – was hat es Quartier und Menschen gebracht? Unter dem Motto „Frei und mutig in allen Dingen“ zogen die Beteiligten Bilanz. Beim Fachtag „Kirche im Sozialen“ am 19. Juni in der Heilandskirche wurden die bisherigen Erfahrungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln bewertet.

In diesem Projekt arbeitet Q8 erstmals eng mit einer Kirchengemeinde zusammen. Quartiersmanagerin Miriam Krohn – heute Miriam Meyer – leistete Pionierarbeit. Sie bezog ein Büro in der Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst, erstellte eine Quartiersanalyse und ermittelte in zahlreichen Kontakten die Bedürfnisse der Menschen im Stadtteil. Für das Pastorenteam und die Gremien der Kirchengemeinde, aber auch für viele Gläubige Neuland. Miriam Meyer: „Es dauerte lange Zeit, bis es sich zurechtgeruckelt hatte, aber wir haben gelernt, einander zu vertrauen.“

In kleinen und großen Schritten entstand ein Netzwerk, aus dem eine Fülle von Projekten hervorging, vom Tischnachbar, einem Treffpunkt mit preisgünstigem Mittagstisch, über den Ausbau der Winterhuder Bildungsgespräche, in denen sich Bildungsträger aus dem Stadtteil vernetzen, bis hin zu zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen für Geflüchtete.

Hanne Stiefvater, Mitglied des ESA-Vorstands: „Die Entwicklung ist für viele Menschen im Stadtteil sehr positiv.“ Beim ersten Fachtag vor fünf Jahren war das Motto eher zurückhaltend: „Lebensgeister – die Rolle von Spiritualität und Religion im Quartier“. Hanne Stiefvater: „Wer hätte gedacht, wie sehr die Lebensgeister durch die Partnerschaft geweckt werden konnten.“ Sie freut sich sehr über die gelingende Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreises Hamburg-Ost und der Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst.

Pröpstin Astrid Kleist untermauerte das Engagement des Kirchenkreises mit der Rolle der Kirche, sich in den Sozialraum einzubringen: „Die Kirche hat Verantwortung für die Stadt, an deren Entwicklung wir uns in Übereinstimmung mit dem christlichen Menschenbild beteiligen wollen.“ Die Kirche müsse offen und bereit sein zur Veränderung. „Das heißt: Abschied nehmen von einer engen Form der Gemeinschaft, von Abgrenzung nach außen.“ Genau das, so Astrid Kleist, sei in Winterhude-Uhlenhorst beispielhaft gelungen. Deshalb begrüßte sie die langfristige Weiterführung des Projekts und stellte weitere Standorte für Kooperationen von Q8 und Kirchengemeinden in Aussicht. 

Wie Quartiersarbeit im Kleinen funktionieren kann, erläuterte Heike Binne aus Bremen am Beispiel des Hauses der Zukunft in Bremen-Lüssum, einem in der 60er Jahren auf der grünen Wiese entstanden Stadtteil mit teilweise schwierigen Sozialfaktoren. Hier hat bürgerschaftliches Engagement gemeinsam mit der Kirchengemeinde zur Entwicklung einer Einrichtung geführt, die als Hort für Grundschulkinder begann und sich zu einem multikulturellen Zentrum mit vielfältigen Angeboten für ganz unterschiedliche Menschen entwickelt hat. Die Erkenntnis von Heike Binne: „Das Ziel, die Verbesserung der Lebensbedingungen für Familien und der Entwicklungschancen für Kinder, kann viel besser erreicht werden gemeinsam mit anderen.“

In Hamburg-Winterhude steht nach vielen Einzelprojekten ein langfristiges Vorhaben auf dem Plan. Ein soziales Wohnprojekt auf einem Grundstück der Gemeinde, gemeinsam mit der Lawaetz-Stiftung und der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Miriam Meyer ist zuversichtlich, dass auch dies mit zuverlässigen Partnern und den „Lebensgeistern“ der Gemeinde gelingt. Ihre Überzeugung kleidet sie in ein Zitat von Walter Ludin, Schweizer Theologe: „Kirche lebt, auch wenn sie außerhalb der Kirche lebt.“ Das, so meint sie, habe sich in Winterhude deutlich gezeigt. 

Die Einführungsworte von Hanne Stiefvater 

Der Beitrag von Pröpstin Und Hauptpastorin Astrid Kleist